Grundlagen der Achtsamkeit

Nach dem buddhistischen Lehrer gibt es folgende 4 Grundlagen der Achtsamkeit.

1. Körperwahrnemung

Der Körper ist unser Anker im hier und jetzt. Er ist das Haus, in welchem unser Geist wohnt. Mit dem Körper können wir nur im gegenwärtigen Moment leben. Was gestern war oder morgen sein wird, ist nicht möglich. Er kennt also nur das jetzt und hat immer Recht. Sind wir z.B. müde oder haben wir Rückenschmerzen, sendet uns der Körper Signale, dass wir Ruhe benötigen. In der heutigen schnelllebigen Zeit, in der wir ständig von Informationen zu Informationen springen, haben wir verlernt, auf unseren Körper zu hören. Zwar spüren wir den Schmerz oder die Müdigkeit, dennoch gehen wir dem ganzen oftmals nicht auf den Grund. Auch haben wir Mühe die Signale des Körpers zu deuten. Ist das Raunen im Bauch gut oder schlecht? Sind das wirklich ernstzunehmende Problem und kann ich diese selber lösen? Brauche ich einen Arzt aufzusuchen? Solche Fragen stellen wir uns immer wieder und es fällt uns schwer immer die richtige Antwort zu finden.
Um die Körpersignale richtig zu deuten, braucht es deshalb viel Erfahrungswissen, welches wir nur durch den achtsamen Umgang mit unserem Körper gewinnen können.

Es gibt 2 Arten, wie wir Dinge in unseren Körper aufnehmen. Einerseits gibt es Sinnesorgane wie die Augen und Ohren, welche darauf ausgerichtet sind, die äussere Welt wahrzunehmen. Mit diesen Sinnesorganen schauen und hören wir, in welcher Umgebung wir uns befinden. Das Gesehene oder Gehörte verleiht uns je nachdem zum Handeln. Wenn wir uns beispielsweise an einem lauten Ort befinden und uns nicht unterhalten könne, wechseln wir den Standort, damit wir wieder Ruhe finden.
Daneben gibt es den propriozeptiven Tastsinn. Mit ihm nehmen wir die innere Welt war. Durch das Tasten und Fühlen erhalten wir Informationen über die Umwelt und den eigenen Körper. Wir spüren z.B. wie wir die Muskeln anspannen oder beim Atmen sich der Brustkorb hebt. Zudem ermöglicht uns der Tastsinn das Empfinden von Temperatur. Ist etwas warm oder kalt? Wie fühlt sich das auf unseren Körper an? Tut uns die Sonne gut oder verbrennen wir uns die Haut? Solche Informationen sendet uns der Körper zu jeder Zeit.

Körperwahrnemung bedeutet also, immer wieder in den eigenen Körper hineinzuhorchen. Es ist ein ständiges Erforschen des eigenen Körpers. Wichtig ist dabei, dass wir die täglichen Automatismen durchbrechen und uns vermehrt auf die Signale des Körpers einlassen.

Es geht also darum, Dinge wieder bewusst wahrzunehmen und sich ihnen zuzuwenden.

2. Gefühle

Gefühle sind ein grundlegender Bestandteil unseres Lebens. Sie dominieren unseren Alltag. Denn jeder Situation im Alltag wird meistens unbewusst mit einem Gefühl bewertet. Sie sind also eine Mischung aus einer Bewertung unserer Gedanken und körperlichen Empfindungen. Wer schon einmal verliebt gewesen ist, kann sicher bezeugen, dass das Gefühl verliebt zu sein, schwierig zu beschreiben ist. Wir wissen, dass wir für jemanden etwas ganz Spezielles empfinden, können dies aber nicht in Worte fassen. Auch aus wissenschaftlicher Sicht sind Gefühle eine höchst komplexe Angelegenheit. Vereinfacht können wir eine Erfahrung als angenehm oder unangenehm bewerten. Auf diese erste Einteilung folgt dann eine Reihe von körperlichen und verschiedensten Gedankenbewegungen. Dieser Mix nennen wir Gefühle. Empfinden wir beispielsweise Freude, fühlen wir im ganzen Körper eine gewisse Wärme und Energie. Fürchten wir uns, spannen wir unsere Muskeln an und spüren einen Druck auf der Brust.

Diese Reaktionsmuster lernen wir schon von klein auf. Schon als Kind beobachten wir unsere Eltern, wie sie auf bestimmte Situationen reagieren. Diese Verhaltensweisen übernehmen wir dann Schritt für Schritt.

3. Gedanken

Gedanken sind in unserem Alltag allgegenwärtig. Selbst in Ruhephasen kommen sie, ob gewollt oder unbewusst. Sie beeinflussen unser Verhalten. Ob wir etwas als richtig oder falsch einstufen, unsere Gedanken spielen bei diesen Entscheidungen eine zentrale Rolle. Sie haben uns so weit im Griff, das sie oftmals unbewusst ablaufen. Gedanken sind der klassische Ausdruck des Geistes. Im Gegensatz zur Körperwahrnehmung ist es möglich, die Gegenwart zu verlassen. Wir können uns über die Vergangenheit den Kopf zerbrechen oder in die Zukunft abschweifen. Auch können wir mit ihnen in imaginäre Welten vordringen. Zukunftsvisionen, Wünsche und Träume lassen sich durch Gedanken erfahrbar machen.
Dieses Eintauchen in Vergangenes oder Zukünftiges lenkt uns jedoch immer wieder von der Gegenwart ab. Wir sind zwar mit dem Körper im jeweiligen Moment präsent, allerdings verweilen wir mit unserem Geist in anderen Welten. Dieses Abdriften verhindert, dass wir die sinnlichen Erfahrungen im Hier und Jetzt erleben. Sie geben uns das Gefühl «unvollständig» zu sein. «Wenn ich im Ruhestand bin, nehme ich mir die Zeit zum Reisen. » oder «Wenn ich mehr Geld hätte, ginge es mir besser». Solche Sätze bzw. Gedanken führen immer dazu, dass Dinge aufgeschoben werden und wir eine Ausrede haben, weshalb wir nicht in der Gegenwart schon glücklich und «vollkommen» sein können. Leben wir also immer nur in der Zukunft oder der Vergangenheit, führt das automatisch dazu, dass wir immer einen Mangel an Zeit, Liebe, Geld etc. empfinden. Für die buddhistische Lebensweisheit der Achtsamkeit ist es deshalb essentiell, sich kontinuierlich auf den gegenwärtigen Moment zu fokussieren. Sobald wir also merken, dass wir in die Vergangenheit oder Zukunft abschweifen, lenken wir unsere Gedanken wieder bewusst auf die Gegenwart.

4. Gedankenmuster

Gedankenmuster sind sich wiederholende Gedanken, Vorurteile und Meinungen zu bestimmten Themen in unserem Leben. Sie verhindern, dass wir die Welt auf eine neue Art und Weise erleben. Sind wir beispielsweise mehrfach in Beziehungen enttäuscht worden, haben wir das Gefühl, dass dies wieder passieren wird. Auch haben wir festeingebrannte Vorurteile. «Ein Banker im Anzug ist automatisch nur auf das materielle Wohl aus.» Solche Gedankenmuster haben wir alle in unserem Alltag. Sie verhindern, dass wir neutral an Dinge oder Personen herantreten. Auch führen sie dazu, dass wir uns gewissen Situationen verschliessen, denn wir glauben schon die Antwort zu kennen. Deshalb ist es wichtig, dass wir solche Gedankenmuster erkennen und sie immer wieder durchbrechen. Nur wenn wir neutral, unvoreingenommen und offen für Neues sind, können wir die Welt durch einen neuen Blickwinkel betrachten. Möglicherweise ergeben sich so ganz neue Erfahrungen, welchen unseren Alltag bereichern.